Trojaner im Dienste des Staates (09.10.06 19:33)

Das Schweizer Departement für Umwelt, Verkehr und Kommunikation (UVEK) testet den Einsatz von Trojanerprogrammen im Rahmen der Überwachung von PC Kommunikation, welche über VoIP, Skype oder direkt von PC zu PC laufen. Angesichts der Tatsache, dass solche Arten der Kommunikation bisher noch ein Problem bei Abhöraktionen darstellen, soll das Trojanerprogramm es ermöglichen, ausgewählte Daten zu speichern und in unauffälligen, kleinen Paketen an einen Server zu übermitteln. Außerdem kann es ein eventuell eingebautes Mikrofon- (z.B. bei Laptops) oder eine vorhandene Webcam zur Raumüberwachung aktivieren. Da nicht jede Webcam eine Leuchtdiode zur Signalisierung der Übertragung besitzt, könnte auch dies ohne Wissen des Users passieren.
Das Programm ist in der Lage, sich selbst zeitgesteuert nach Beendigung der Abhöraktion zu deinstallieren.

Das Programm wird vom Schweizer Sicherheitsunternehmen ERA IT Solutions entwickelt und soll nur an Ermittlungsbehörden ausgeliefert werden, um zu verhindern, dass das Programm in Antivirendatenbanken aufgenommen wird und Antivirenprogramme eine Infizierung des PC melden.
Auf den PC soll das Programm durch den Internetprovider geschleust werden, selbst eine Firewall ist nach Unternehmensangaben unproblematisch.

Die Sonntagszeitung berichtete nun über das Projekt, was bisher geheim betrieben wurde. Dem Leiter des Dienstes für Besondere Aufgaben im UVEK, Charles Gudet, zufolge, fehle es an einer Rechtsgrundlage für den Einsatz eines Trojaners zur Überwachung. Dies gilt zumindest für das schweizerische Bundesgesetz über die Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs, nicht jedoch die Kantonale- und eidgenössische Strafprozessordnungen Regelungen für Überwachungen mit technischen Überwachungsgeräten, welche den Einsatz eines Trojanerprogramms erlauben würden.

(mk)